7. Alternativmethoden


Immer noch glauben viele Nichtjäger, dass ein Verbot der "lebende Ente" zu einem völligen Wegfall der Ausbildungs- und Prüfungsmöglichkeiten der Jagdhunde für die Wasserwildjagd führen und deren Jagdtauglichkeit gravierend beeinträchtigen würde. Diese vor allem durch Äußerungen von JGHV-Vertretern genährten  Schlussfolgerungen/Hypothesen sind falsch. Ein Verbot des "konventionellen JGHV-Prüfungsfachs an der lebenden Ente" würde lediglich zu einem reduzierten Prüfungsverfahren "Wasser" führen; Qualität von Ausbildung und Prüfung blieben auf annähernd gleich hohem Niveau. Einschlägige Erfahrungen im In- und Ausland können als Beleg dafür gewertet werden.

7.1 JGHV-Fächergruppe "Wasser"
Wir möchten ausdrücklich anführen, dass der JGHV –auch bei völligem Verbot der Prüfung von Jagdhunden an künstlich flugunfähig gemachten Enten, eine Reihe von anderen Wasserprüfungsfächern hat. So enthält die JGHV-Prüfungsfachgruppe Wasser bei der Verbands-Gebrauchsprüfung z.B. folgende Fächer:
1.  Stöbern ohne Ente im deckungsreichen Gewässer
2.  Verlorensuche ohne Enten im deckungsreichen Gewässer
3.   Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer
4.   Bringen einer toten Ente.

7.2 Hervorragende Alternativen
Seit Bestehen des JGHV-Prüfungsfaches an der "lebenden Ente" war diese Methode nie alternativlos. So gab und gibt es eine Reihe jagdpraktisch hervorragender Alternativen (treffender als Ersatzmethoden zu bezeichnen), bei denen die "Lebendobjekte" durch tote Enten ersetzt werden. Welche Alternativen es konkret gibt, wollen wir hier aufzeigen:

7.2.1. JGHV-Alternativmethoden
Kaum bekannt ist, dass der JGHV seine Jagdhunde bereits seit Jahren schon nach eigenen Alternativmethoden prüfte, indes sich aber vehement gegen ein Verbot der lebenden Ente wehrt.
Die JGHV-Alternativmethoden werden verschleiernd als „Notlösungen“ bezeichnet.

JGHV-Notlösung
Wurde am 20.03.1994 in Künzell beschlossen. Prüfungen können hiernach ohne Verwendung lebender Enten absolviert werden, erhalten jedoch den Zusatz „o.l.E.“ (= ohne lebende Ente bestanden).

VBRE-Modell des DK-Verbandes
Am 01.09.1994 hat der Deutsch-Kurzhaar-Verband e.V. (Mitgliedsverband des JGHV) beschlossen, Prüfungen auch ohne Verwendung lebender Enten anzuerkennen. Als davon unabhängiger Nachweis der Brauchbarkeit von Jagdhunden für die Wasserwildjagd wurde die Ergänzungsprüfung „Verlorenbringerarbeit hinter der Ente“ geschaffen. Dieser Nachweis darf nur während der normalen Jagdausübung erbracht werden und nur erst dann, wenn der Jagdhund bereits eine Prüfung mit Wasserarbeit ohne lebende Enten absolviert hat. Der DK-Verband nutzt dabei die Informationsquelle "tatsächliche Jagdleistung" im Jagdbetrieb.

Interimslösung Wasser
Der Kurzhaarklub Artland/Emsland konzipierte 1994, vorgeblich in der Übergangszeit bis zur Aufhebung der Verbote der Arbeit hinter lebenden Enten, eine „Interimslösung Wasser“. Jagdhunde werden hierbei im Rahmen tatsächlich anfallender Nachsuchen nach Entenjagden auf ihre Tauglichkeit hin bewertet. Auch diese Jagdhunde sind vorher bereits ohne lebende Enten ausgebildet worden.

7.2.2 Gesetzliche Brauchbarkeitsprüfungen
Die gesetzlichen Brauchbarkeitsprüfungen kommen seit ihrem Bestehen im Jahre 1934(also in der NS-Zeit, in der Tierschutz noch nicht besonders ausgeprägt war), ohne Verwendung lebender Enten aus. Der Gesetzgeber hat damit den Vorrang der Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an toten Tieren deutlich gemacht. Die so ausgebildeten und geprüften Jagdhunde haben sich später bei Nachsuchen im Jagdbetrieb bewährt.

Grundlagen der gesetzlichen Brauchbarkeitsprüfungen sind zumeist praktische, jagdnahe Übungseinheiten außerhalb des Jagdbetriebes im Rahmen von Hundeführerlehrgängen. Nach Beendigung der Übungseinheiten wird zumeist die Brauchbarkeitsprüfung absolviert. Erst nach Bestehen der gesetzlichen Brauchbarkeitsprüfung dürfen die Hundeführer ihren Jagdhund im Real-Jagdbetrieb zu den Aufgaben verwenden, für die brauchbare Jagdhunde vorgeschrieben sind. Bei dieser Einarbeitung im Jagdbetrieb müssen die Hundeführer selbstverständlich darauf achten, dass z.B. Nachsuchen dem Leistungsstand des Hundes angepasst sind, um die tierschutzrelevanten Risiken und Belastungen für die nachzusuchenden Tiere so gering wie möglich zu halten. Unter Umständen ist ein erfahrener Jagdhund bereit zu halten.  

7.2.3 Staatliche Alternativmodelle
Das Bundesland Nordrhein-Westfalen konzipierte am 09.12.1991 in einer Arbeitsgruppe (mit jagdkynologischen Fachleuten des Landesjagdverbandes zusammen) eine NRW-Alternativmethode und verbot danach die Prüfung an lebenden Enten. Die zweistufige NRW-Alternativmethode wurde leider faktisch durch das Urteil des OVG Münster vom 30.07.1998 ausgehebelt. Damit kann der JGHV in NRW seine Hunde –leider- wieder an lebenden Enten prüfen.

7.2.4 Ausland
Z.B. in den Niederlanden oder in der Schweiz ist die Ausbildung und Prüfung von Jagdhunden an lebenden Enten seit vielen Jahren verboten, obwohl auch hier Entenjagden nach wie vor stattfinden.

In den Niederlanden werden die Jagdhunde z.B. an künstlichen Wasser-Land-Schleppen (mit toten Enten gelegt) sowie an Stöberarbeiten an im dichten Schilf ausgelegten bzw. ausgeworfen toten Enten ausgebildet. Diese Verfahren ohne lebende Enten haben sich bewährt.

Am 15.10.1999 eröffnete der Obersteirische Jagdgebrauchshundeklub in Schörgendorf, in der Nähe von Bruck/Mur, eine neuzeitliche Jagdgebrauchshunde-Ausbildungsstätte. Auf so manche überkommene Ausbildungspraktik wurde dabei bewusst verzichtet. So werden keine gezüchteten Enten eingesetzt und bei der Bauarbeit setzt man einen Schwerpunkt auf das Ziehen des erlegten Fuchses aus dem Bau. Selbst rüde Umgangsformen der Hundeführer mit dem Hund werden hier nicht geduldet.

7.3 Versuchsreihen und Evaluation abgelehnt
Die gebetsmühlenhaft vorgetragene Behauptung von JGHV und DJV, die "lebende Ente" sei für die Brauchbarkeit von Jagdhunden unverzichtbar, entbehrt jeder Begründung. Man setzt bei den Jagdverbänden anscheinend darauf, dass durch ständige Wiederholung die nicht bewiesene Behauptung allmählich zur anerkannten Wahrheit avanciert und keines Beweises mehr bedarf.
Logisch wäre es eigentlich, wenn JGHV und DJV mehrjährige Versuchsreihen mit entsprechenden Jagdhundewürfen starten würden, um zu klären, ob das "reduzierte Prüfungsverfahren ohne lebende Ente" dem "konventionellen JGHV-Verfahren mit lebender Ente" ebenbürtig ist. In "fairem, wissenschaftlich begleitetem Wettstreit" könnten sich die unterschiedlich ausgebildeten Nachzuchten einer Hündin miteinander messen und die Qualität unterschiedlicher Ausbildungsmethoden dokumentieren.
Eine solche externe Evaluation, also die Überprüfung der JGHV-Methode durch JGHV- und DJV-unabhängige Experten, ist leider nicht in Sicht.

7.4 Wissenschaftliche Untersuchungen über Stress und Leiden der Enten fehlen
Bisher wurde noch nicht untersucht, welchem Stress und welchem Leiden die Enten ausgesetzt sind. Ethologen könnten anhand von kontinuierlichen Videoaufzeichnungen mehrerer Prüfungen die Verhaltensreaktionen der Enten bewerten, Tiermediziner und Biologen den Stress und die Leiden der Enten anhand von mittels Transmitter festgestellter Herzschlagraten und chemischer Stressreaktionen (Hypophysen-Nebennierenrinden-Aktivität, Katecholamin erzeugende Enzyme, Corticosteron- und Testosteron-Ausschüttung) belegen.
Die Stresshormone führen nicht nur zu körperlichen Belastungen, sondern auch zu ethologischen Stressreaktionen, indem sie das Fluchtverhalten beeinflussen (Einengung der Aufmerksamkeit und der Entscheidungsgeschwindigkeit, die Fehlerhäufigkeit wird gesteigert und das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt). 

7.5 Ersatzmethoden stärker staatlich fördern
Bundes- und Landesgesetzgeber sollten die Entwicklung und Anwendung von alternativen Prüfungsverfahren deutlich stärker fördern, als das bisher der Fall ist. Hierzu gehört, gesetzliche Brauchbarkeitsprüfungen für die Jäger noch attraktiver zu machen und dabei auch Jagdhunde ohne vom JGHV anerkannte Zuchtpapiere zuzulassen.

Behördlicherseits sollten Prüfungsfächer an künstlich flugunfähig gemachten Enten nicht zum Nachweis der gesetzlichen Brauchbarkeit akzeptiert werden.

 

 

 

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